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Okt 4 / Admin

Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen

Optionsscheine und Optionen haben einen ähnlich klingenden Namen und zeichnen sich überdies durch viele Gemeinsamkeiten aus. Trotzdem gibt es eine Reihe von Unterschieden, die Anleger kennen sollten, wenn sie mit Termingeschäften Geld verdienen möchten.

Gemeinsamkeiten beider Derivate

Optionsscheine verbriefen einem Anleger das Recht, am Bewertungstag die positve Differenz zwischen einem Referenzpreis des Basiswertes und dem vorher definierten Basiswert zu verlangen (der sog. „innere Wert“). Optionen verbriefen dem Anleger das Recht einen Basiswert innerhalb einer bestimmten Frist zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Beide Rechte sind ökonomisch gesehen sehr ähnlich.

Durch die ähnliche Funktionsweise verhalten sich beide Derivate auch in der Preisstellung sehr ähnlich und es wirken die gleichen Preiseinflussgrößen wie Volatilität und Zeitwert. Mit beiden Derivaten kann durch einen Hebeleffekt mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz eine große Menge eines Basiswertes gehandelt werden.

Ausserboerslicher und boerslicher Handel

Optionsscheine werden zumeist direkt mit dem Emittenten im ausserbörslichen Direkthandel gehandelt. Emittenten von Optionsscheinen sind in der Regel die großen Investmentbanken wie Deutsche Bank (X-Markets), Erste Bank Österreich, Commerzbank, Royal Bank of Scotland (RBS), UniCredit, HSBC Trinkaus und weitere. Sie sorgen als Market-Maker für die permanente Handelbarkeit ihrer eigenen Produkte. Obwohl die meisten Optionsscheine direkt mit dem Emittenten ausserbörslich gehandelt werden, können Optionsscheine auch an einigen Wertpapierbörsen gehandelt werden. In Deutschland sind das zum Beispiel die Stuttgarter Euwax sowie Frankfurt Scoach. In Österreich an der Wiener Börse. Optionen dagegen sind ausschliesslich an Terminbörsen wie der Wiener OTOB und der Eurex gelistet. Dort agieren Banken und Makler als konkurrierende Market-Maker und sorgen so für Liquidität.

Ausstattung von Optionsscheinen und Optionen

Bei der Ausstattung und Vielfalt gibt es weitere Unterschiede. Optionsscheine werden von diversen Emittenten in nahezu jeder denkbaren Ausgestaltung (Basiswert, Laufzeit, Basispreis etc.) angeboten. Optionen werden an den Terminbörsen in standardisierter Form gehandelt. Die Standardisierung bezieht sich auf Kontraktgröße, Laufzeit und Basispreis. Das Angebot an Optionen ist dadurch sehr viel geringer.

Die Stillhalterposition bei Optionen

Der wichtigste Unterschied ist aber der, dass Anleger bei Optionen die Position des Stillhalters eingehen können. Das bedeutet, dass der Anleger selbst eine Call- oder Put-Option verkaufen kann und dafür die Optionsprämie erhält. Hat er den Basiswert (z.B. eine Aktie) selbst im Bestand, ist sein Verlustrisiko auf diese Position beschränkt. Die Aktienposition wird gesperrt und der Anleger erhält vom Käufer der Option eine Optionsprämie. Verfügt der Anleger selbst nicht über den Basiswert, kommt es zu einem Leerverkauf („Shorten“). Auch hier erhält der Anleger vom Käufer eine Optionsprämie, allerdings besteht in diesem Fall ein theoretisch unendliches Verlustpotential. Praktisch wird an dieser Stelle eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegt, um mögliche Verluste ausgleichen zu können. Die Anforderungen an die Margin fallen für die verschiedenen Basiswerte unterschiedlich aus und können bei den Terminbörsen oder bei Onlinebrokern eingesehen werden.

Lieferung

Während bei Optionsscheinen am Bewertungstag der Differenzbetrag ermittelt wird und ein Barausgleich vorgenommen wird, ist dies bei Optionen nicht vorgesehen. Hier kommt es zu einer Lieferung des Basiswertes. Da der Verkauf des Basiswertes mit zusätzlichen Kosten für den Anleger verbunden ist und dies in der Regel niemand möchte, werden Optionen meist kurz vor der Fälligkeit verkauft. Fälligkeitstermine werden auch Verfallstage genannt. Besonders bekannt ist der große Verfallstag, auch Hexensabbatt genannt. An diesem Tag kann es zu großen Kursbewegungen kommen, weil die unterschiedlichen Kapitalmarkt-Akteure versuchen, den Kurs des Underlyings in die gewünschte Richtung zu beeinflussen.

Quelle: Einige Textpassagen aus dem Zertifikate-Magazin ideas der Commerzbank (Ausgabe 10/2011)